Herztür

Damit Fr. Fischbach und unsere anderen Bewohner die Toilette neben dem Esszimmer finden, habe ich ein Holzherz darauf geklebt.

Fr. Fischbach stand vor besagter Türe und tippelte von einem auf das andere Bein.

„Suchen sie die Toilette?“ Frage ich sie.

„Ja.“

„Schauen sie doch mal hier“ ich deute auf die Tür „da ist sogar ein Herz auf der Tür. Was bedeutet das denn?“

„Dass man da nicht rein darf?“

Na ja nagut. War ja gut gemeint. Hab es gleich runter und Pipibox drauf geschrieben.

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So gemacht

Ich stehe etwas abseits und schlürfe meinen Kaffee. Frau Krautsmann beklagt sich über Frau Pichler:

„Die da hat meine Jacke an, das geht doch nicht.“

„Aber Frau Krautsmann“ entgegenet Katja, „das ist die Jacke von Frau Pichler.“

„Das werde ich doch wohl wissen, dass das meine ist.“

„Schauen sie mal, da steht so gar ihr Name drin“ und zeigt ihr das Namensschild was von der Wäscherei reingepatcht wurde.

„Das habt ihr doch jetzt so gemacht!“

Merke: Menschen mit Demenz haben ihre ganz eigene Logik!

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Fettich

Wir machen uns auf zum Spaziergang. Alle drei Damen habe schon ihre Jacken an, der Stationshund ist auch schon angeleint. Wir steigen in den kleinen Aufzug ein. Weitläufig ist anders.

„Schon eng hier“ sage ich „Wie die Ölsardinen“

„Nur nicht so fettig“ antwortet die an Demenz erkrankte Frau Dr. Steigbügel

Frau Steigbügel schätze ich sehr führ ihren trockenen Humor, den sie trotz Demenz, oder gerade deswegen nicht, nicht verloren hat. 

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Neuauflage?

Hallo?
Halloo?
Ist da noch jemand?
Seit ein paar Tagen habe ich so komische Gedanken. Ich überlege ob ich hier weiterschreiben soll. Noch ist das Ganze etwas ausgegoren.

Naja schauen wir mal. Jedenfalls steuere ich gerade hart auf das Ende meiner Weiterbildung zu. Nach Abschluss darf ich mich „gerontopsychiatrische Fachkraft“ nennen. Nur noch die Facharbeit, das Coloquium (schreibt man doch so. oder?) und fertig. Na fein. Langweilig ist es ja bei mir auf der gerontopsychiatrischen Station nie. Na gut auch nie besonders aufregend. Witzigerweise habe ich ja immer recht gediegene, entspannte und lustige Dienste. Das Zauberwort heißt „Selbsterfüllende Prophezeihung“. Das bedeutet, wenn ich davon ausgehe, dass es gut wird, dann wird es auch gut. Der Erfolg gibt mir recht. In meinem Alter ist man auch einfach gelassener.

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Hoppla

Na sowas, lasse ich ich mich hier gar nimmer blicken ohne ein Wort zu verlieren.

Was ist passiert?

Nachdem meine Grosseltern verstorben sind, haben wir beschlossen die Wohnung in meinem Elternhaus zu renovieren und umzuziehen.

Das es einige Kilometer sind, folgte ein Stellenwechsel. Nun arbeitet der Pfleger, zwar beim gleichen Träger aber in einem anderen Haus in einem anderen Ort.

In drei Häusern hatte ich Probe gearbeitet und mich für dieses entschieden. Gute Entscheidung. Ich bin sehr zufrieden. Ich bin auf einem geschützten Bereich mit 24 Plätzen in einem kleinen Haus mit 59 Betten.

Ich arbeite nach wie vor Vollzeit, weniger ist mir zu langweilig.

Wie geht es hier weiter?

Nun, nichts ist heute so , wie es gestern begann und morgen endet.

Das bedeutet, die Reise endet hier. Meine Prioritäten haben sich geändert.

Ich habe ein zeitraubendes Hobby, was zu einem kleinen Nebenverdienst geworden ist. Gleichzeitig ist es eine prima Psychohygiene. In dieser Hinsicht hat mein Hobby  diesen Blog abgelöst.

Ich bedanke mich bei allen die (un)regelmäßig hier vorbei schauten.

Den Blog lösche ich nicht, warum auch. Es sind so viele wunderbare Geschichten, meine Erinnerungen.

Alles Gute Euch

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Nicht warm

Im ersten Rundgang komme ich bei Herr Prof. Dr. Schlatewinski ins Zimmer. Er sitzt eigentlich wie immer nachts in seinem Rollstuhl, hat eine Jacke an, eine Mütze auf dem Kopf und mehrere Decken über den Beinen. Ich stelle ihm seine Medikamente auf den Tisch. Die nimmt er gegen später selbständig. Auf dem Tisch liegt ein Thermometer.
„Erstaunt sage ich zu ihm: Oh 25°C hier drin.“
„Das ist doch nicht viel“ Entgegnet er

Stimmt. Und dennoch fühlen sich meine Klamotten klamm an, wenn ich nach 20 sec. das Zimmer verlasse.

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Alle Jahre

Frau Scharwenzel bekommt heute Besuch vom Amtsrichter Herr Kleinfritz. Das anbringen des Bettgitters muss neu genehmigt werden. Sie ist gerade mit Frühstück fertig, als er den Speisesaal betritt.

„Guten Tag Frau Scharwenzel, mein Name ist Kleinfritz und ich komme heute um nach ihnen zu schauen.“ er nimmt neben ihr Platz. „Frau Scharwenzel, wissen sie was ein Bettgitter ist? Früher hat man auch Bettladen dazu gesagt.“
„Das habe ich noch nie gewusst“ antwortet sie zielsicher.
„Ahja. Sind sie denn schon mal hingefallen hier?“
„Ja“
„Und Frau Scharwenzel, können sie mir sagen wo sie hier sind?“
„Adam, Simon, Scharwenzel“ (Das sagt sie immer, wenn sie etwas nicht weiß, ein Füllwort benötigt oder ihr ein Wort nicht einfällt. Da der Amtsrichter sie bereits kennt, hakt er nicht weiter nach.
„Ok Frau Scharwenzel, kennen sie denn den jungen Mann da“ er deutet auf mich.
„Ja den habe ich gut gekannt“
„Wissen sie auch was der hier macht?“
„Adam, Simon Scharwenzel“ „Scharwenzel“
„Gut Frau Scharwenzel, wann haben sie Geburtstag?“
„Am 22.08“
„Und welches Jahr“
„Na in jedem Jahr“
„Ja, sicher aber in welchem sind sie geboren“
-schweigen-
„Frau Scharwenzel, in welchem Jahr sind sie geboren?“
„Ich berechne noch“
„Ahja gut, anders gefragt, wie alt sind sie denn?
Zielsicher antwortet sie „25“
„25? nicht eher 70 oder 80?
„Na dann vielleicht 35? Scharwenzel Adam Simon kommt doch“
„Okeh vielen Dank Frau Scharwenzel, den Rest bespreche ich mit dem jungen Mann. einen schönen Tag noch.“

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Aufzug

Wir sind auf dem Weg nach unten. Simone, Frau Kabauter, Frau Windschief und Frau Deuring. Als wir alle im Aufzug stehen, meinte Simone: „Jetzt ist er aber voll“
Frau Windschief:“Ja voll alter Weiber“
😁

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Eigenbrödler

Herr Umbrich ist ein Eigenbrödler. So wie man ihn aus Büchern kennt. Man kann ihm auch nix wirklich recht machen. Er hat sogar eine Nichte. Das ist bis auf seine Schwester gesehen, die keine Kraft hat sich um ihn zu kümmern, seine ganze Familie. Am liebsten mäkelt er am Essen rum. Neulich auch wieder, nicht weil es nix gab was er mochte, die Auswahl war schlicht zu groß.

Meine PDL heute bei der Übergabe.
„Uh, beim Herr Umbrich da habe ich ein ganz schlechtes Gefühl. Ich hatte mal wieder ein Gespräch mit der Nichte. Sie meinte er behaupte wir würden nix mit ihm machen. Wir sollten daher genaustens dokumentieren, was wir ihm anbieten und so und wie er reagiert. Nicht dass da was kommt.“

Gesagt, getan. Heute war herrliches Wetter, zumindest über Hintertupfing, wir haben einen wunderschön angelegten Garten, in dem kann man sogar spazieren gehen. Also bot ich ihm und auch anderen nach dem Nachmittagskaffe einen Spaziergang an. Natürlich hat er abgelehnt, er lehnt immer ab. Egal was wir anbieten.

Später im Zimmer, ich komme zum Blutzucker messen, spreche ich ihn direkt auf die Geschichte mit der Nichte an.

„Herr Umbrich, ich habe erfahren, dass sie sich beklagen, dass wir nix mit ihnen machen. Das finde ich sehr schade, weil immer wenn wir ihnen eine Aktivität anbieten, haben sie eine Ausrede warum es nicht geht, oder sie nicht können.“
„Nein, das habe ich nie zu ihr gesagt, das behauptet Die!“
„Achso? Naja, Aber sagen sie mal, was haben sie denn früher gemacht als sie noch zuhause waren?“
„Fernseh.“
„Ach?! Dann hat sich ja im Vergleich zu früher nur geändert, dass sie damals im Fernsehsessel saßen und heute im Rollstuhl.“
„Hm“
„Wenn ich es richtig verstehe, sind sie also frustriert, dass sie hier im Heim sind und auf andere angewiesen.“
„HmJa“
„Und sie beklagen sich, dass wir nix mit ihnen machen, obwohl sie heute das gleiche machen als sie noch zuhause waren. Sie wollen keine Gesellschaft, kommen maximal zu den Mahlzeiten aus dem Zimmer, ansonsten gucken sie lieber Fernseher. Mit den anderen Bewohnern wollen sie nix zu tun haben, weil sie lieber alleine sind. Habe ich das richtig zusammen gefasst?“
„Stimmt.“
„Na dann, wie gut. Also bis zum Abendessen.“

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Klobürste

Frau Klabauter darf keine Klobürste mehr haben. Das haben wir einstimmig im Team so beschlossen. Zu oft hat sie nachts das Bad damit gestrichen. Braun natürlich.
Jüngst beschwerte sie sich wieder. „Aber ich brauche doch eine Klobürste, wie soll ich denn Popo putzen?“

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