Im Kalender

Es ein Donnerstag Nachmittag mit feinsommerlichen Temperaturen. Die Menschen sitzen im Park und lassen die Beine im Springbrunnen baumeln. Währenddessen schlurft ein kleiner Pfleger über den Wohnbereich.

Bei Fr. Schlawetinski angekommen:

„Haben sie die Heizung auf VIER stehen?“ frage ich. Sie fühlt sich indertat warm an.

„Joa, die wird aber nicht richtig warm“ antwortet sie etwas enttäuscht.

„Das liegt wohl daran, dass Sommer ist.“

„Ja, im Kalender vielleicht“

„…!“

Ähjoup. Da fehlen mir dann doch die Worte.

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Metoo

Bin ich schon zu spät dran mit meiner Geschichte? Ist der Hype um das #metoo schon rum. Naja es hat sich ja erst zugetragen. Schlimm ist da eher wie meine Kolleginnen reagieren…

Ich habe Nachtdienst auf unserem gerontopsychiatrischen Wohnbereich. Es ist vieruhrdreißig Fr. Fischbach ist bereits wach und linst durch den Türspalt nach draußen. Da ich gerade in der Nähe bin, habe ich es mitbekommen.

„Guten Morgen“ sage ich „Schon ausgeschlafen?
„Ja“ und lächelt mich an.
„Wollen sie nicht nochmal ins Bett gehen?“
„Nein, ich bin wach“

Kurzum und da ich eh nichts zu tun habe, frage ich sie

„Soll ich ihnen helfen beim waschen und anziehen?“

Sie nickt.

Da sie nicht alleine ist im Zimmer, mache ich nur ein kleines Licht an. Sie ist in ihrer Demenz nicht so weit fortgeschritten, aber verwechselt auch schon mal gerne Gegenstände, etwa Klo und Mülleimer, so reicht es aus, dass ich ihr kleine Hilfestellungen gebe und Anweisungen. Nachdem sie sich gewaschen und angezogen hat, begleite ich sie nach draußen. Der Kaffee für den Frühdienst läuft gerade durch und es liegt ein herrlich feines Aroma in der Luft. Plötzlich bleibt sie stehen, sie greift nach meinem Arm und schaut mir tief in die Augen

„Komm mit“ sagt sie
„Wohin?“
„Ins Bett“
„Wie?“ frage ich erstaunt „Sie sind doch eben erst aufgestanden, wollen sie doch wieder schlafen gehen?“
„Nein mit dir“ sie lächelt mich dabei an.

Ups

Just in diesem Moment, kommt Annika aus dem zweiten Stock um Kaffee zu schnorren. Gerettet.

Bei der Übergabe, war das natürlich der Lacher vor dem Herrn. Tja, ist eben auch heute noch so, als Mann muss man sich da geschmeichelt fühlen. Ganz klar.

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Alle verrückt

Ich statte Manuela im dritten Stock einen kleinen Besuch ab, wie immer ist sie nur am nöhlen, Oh Mann das hätte ich vorher wissen sollen.

“ … weisst du, das ist echt anstrengend hier, lauter Verrückte hier.“

„Da hast du recht, und dann kommen auch noch die ganzen Bewohner, das kann ich mir gut vorstellen“.

Natürlich wusste ich, dass sie die Bewohner meint, aber ich musste sie bremsen, das wäre nur wieder ausgeartet. Zumindest hatte ich danach für gute 2 Wochen meine Ruhe.

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Herztür

Damit Fr. Fischbach und unsere anderen Bewohner die Toilette neben dem Esszimmer finden, habe ich ein Holzherz darauf geklebt.

Fr. Fischbach stand vor besagter Türe und tippelte von einem auf das andere Bein.

„Suchen sie die Toilette?“ Frage ich sie.

„Ja.“

„Schauen sie doch mal hier“ ich deute auf die Tür „da ist sogar ein Herz auf der Tür. Was bedeutet das denn?“

„Dass man da nicht rein darf?“

Na ja nagut. War ja gut gemeint. Hab es gleich runter und Pipibox drauf geschrieben.

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So gemacht

Ich stehe etwas abseits und schlürfe meinen Kaffee. Frau Krautsmann beklagt sich über Frau Pichler:

„Die da hat meine Jacke an, das geht doch nicht.“

„Aber Frau Krautsmann“ entgegenet Katja, „das ist die Jacke von Frau Pichler.“

„Das werde ich doch wohl wissen, dass das meine ist.“

„Schauen sie mal, da steht so gar ihr Name drin“ und zeigt ihr das Namensschild was von der Wäscherei reingepatcht wurde.

„Das habt ihr doch jetzt so gemacht!“

Merke: Menschen mit Demenz haben ihre ganz eigene Logik!

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Fettich

Wir machen uns auf zum Spaziergang. Alle drei Damen habe schon ihre Jacken an, der Stationshund ist auch schon angeleint. Wir steigen in den kleinen Aufzug ein. Weitläufig ist anders.

„Schon eng hier“ sage ich „Wie die Ölsardinen“

„Nur nicht so fettig“ antwortet die an Demenz erkrankte Frau Dr. Steigbügel

Frau Steigbügel schätze ich sehr führ ihren trockenen Humor, den sie trotz Demenz, oder gerade deswegen nicht, nicht verloren hat. 

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Neuauflage?

Hallo?
Halloo?
Ist da noch jemand?
Seit ein paar Tagen habe ich so komische Gedanken. Ich überlege ob ich hier weiterschreiben soll. Noch ist das Ganze etwas ausgegoren.

Naja schauen wir mal. Jedenfalls steuere ich gerade hart auf das Ende meiner Weiterbildung zu. Nach Abschluss darf ich mich „gerontopsychiatrische Fachkraft“ nennen. Nur noch die Facharbeit, das Coloquium (schreibt man doch so. oder?) und fertig. Na fein. Langweilig ist es ja bei mir auf der gerontopsychiatrischen Station nie. Na gut auch nie besonders aufregend. Witzigerweise habe ich ja immer recht gediegene, entspannte und lustige Dienste. Das Zauberwort heißt „Selbsterfüllende Prophezeihung“. Das bedeutet, wenn ich davon ausgehe, dass es gut wird, dann wird es auch gut. Der Erfolg gibt mir recht. In meinem Alter ist man auch einfach gelassener.

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Hoppla

Na sowas, lasse ich ich mich hier gar nimmer blicken ohne ein Wort zu verlieren.

Was ist passiert?

Nachdem meine Grosseltern verstorben sind, haben wir beschlossen die Wohnung in meinem Elternhaus zu renovieren und umzuziehen.

Das es einige Kilometer sind, folgte ein Stellenwechsel. Nun arbeitet der Pfleger, zwar beim gleichen Träger aber in einem anderen Haus in einem anderen Ort.

In drei Häusern hatte ich Probe gearbeitet und mich für dieses entschieden. Gute Entscheidung. Ich bin sehr zufrieden. Ich bin auf einem geschützten Bereich mit 24 Plätzen in einem kleinen Haus mit 59 Betten.

Ich arbeite nach wie vor Vollzeit, weniger ist mir zu langweilig.

Wie geht es hier weiter?

Nun, nichts ist heute so , wie es gestern begann und morgen endet.

Das bedeutet, die Reise endet hier. Meine Prioritäten haben sich geändert.

Ich habe ein zeitraubendes Hobby, was zu einem kleinen Nebenverdienst geworden ist. Gleichzeitig ist es eine prima Psychohygiene. In dieser Hinsicht hat mein Hobby  diesen Blog abgelöst.

Ich bedanke mich bei allen die (un)regelmäßig hier vorbei schauten.

Den Blog lösche ich nicht, warum auch. Es sind so viele wunderbare Geschichten, meine Erinnerungen.

Alles Gute Euch

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Nicht warm

Im ersten Rundgang komme ich bei Herr Prof. Dr. Schlatewinski ins Zimmer. Er sitzt eigentlich wie immer nachts in seinem Rollstuhl, hat eine Jacke an, eine Mütze auf dem Kopf und mehrere Decken über den Beinen. Ich stelle ihm seine Medikamente auf den Tisch. Die nimmt er gegen später selbständig. Auf dem Tisch liegt ein Thermometer.
„Erstaunt sage ich zu ihm: Oh 25°C hier drin.“
„Das ist doch nicht viel“ Entgegnet er

Stimmt. Und dennoch fühlen sich meine Klamotten klamm an, wenn ich nach 20 sec. das Zimmer verlasse.

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Alle Jahre

Frau Scharwenzel bekommt heute Besuch vom Amtsrichter Herr Kleinfritz. Das anbringen des Bettgitters muss neu genehmigt werden. Sie ist gerade mit Frühstück fertig, als er den Speisesaal betritt.

„Guten Tag Frau Scharwenzel, mein Name ist Kleinfritz und ich komme heute um nach ihnen zu schauen.“ er nimmt neben ihr Platz. „Frau Scharwenzel, wissen sie was ein Bettgitter ist? Früher hat man auch Bettladen dazu gesagt.“
„Das habe ich noch nie gewusst“ antwortet sie zielsicher.
„Ahja. Sind sie denn schon mal hingefallen hier?“
„Ja“
„Und Frau Scharwenzel, können sie mir sagen wo sie hier sind?“
„Adam, Simon, Scharwenzel“ (Das sagt sie immer, wenn sie etwas nicht weiß, ein Füllwort benötigt oder ihr ein Wort nicht einfällt. Da der Amtsrichter sie bereits kennt, hakt er nicht weiter nach.
„Ok Frau Scharwenzel, kennen sie denn den jungen Mann da“ er deutet auf mich.
„Ja den habe ich gut gekannt“
„Wissen sie auch was der hier macht?“
„Adam, Simon Scharwenzel“ „Scharwenzel“
„Gut Frau Scharwenzel, wann haben sie Geburtstag?“
„Am 22.08“
„Und welches Jahr“
„Na in jedem Jahr“
„Ja, sicher aber in welchem sind sie geboren“
-schweigen-
„Frau Scharwenzel, in welchem Jahr sind sie geboren?“
„Ich berechne noch“
„Ahja gut, anders gefragt, wie alt sind sie denn?
Zielsicher antwortet sie „25“
„25? nicht eher 70 oder 80?
„Na dann vielleicht 35? Scharwenzel Adam Simon kommt doch“
„Okeh vielen Dank Frau Scharwenzel, den Rest bespreche ich mit dem jungen Mann. einen schönen Tag noch.“

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