Hoppla

Na sowas, lasse ich ich mich hier gar nimmer blicken ohne ein Wort zu verlieren.

Was ist passiert?

Nachdem meine Grosseltern verstorben sind, haben wir beschlossen die Wohnung in meinem Elternhaus zu renovieren und umzuziehen.

Das es einige Kilometer sind, folgte ein Stellenwechsel. Nun arbeitet der Pfleger, zwar beim gleichen Träger aber in einem anderen Haus in einem anderen Ort.

In drei Häusern hatte ich Probe gearbeitet und mich für dieses entschieden. Gute Entscheidung. Ich bin sehr zufrieden. Ich bin auf einem geschützten Bereich mit 24 Plätzen in einem kleinen Haus mit 59 Betten.

Ich arbeite nach wie vor Vollzeit, weniger ist mir zu langweilig.

Wie geht es hier weiter?

Nun, nichts ist heute so , wie es gestern begann und morgen endet.

Das bedeutet, die Reise endet hier. Meine Prioritäten haben sich geändert.

Ich habe ein zeitraubendes Hobby, was zu einem kleinen Nebenverdienst geworden ist. Gleichzeitig ist es eine prima Psychohygiene. In dieser Hinsicht hat mein Hobby  diesen Blog abgelöst.

Ich bedanke mich bei allen die (un)regelmäßig hier vorbei schauten.

Den Blog lösche ich nicht, warum auch. Es sind so viele wunderbare Geschichten, meine Erinnerungen.

Alles Gute Euch

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Nicht warm

Im ersten Rundgang komme ich bei Herr Prof. Dr. Schlatewinski ins Zimmer. Er sitzt eigentlich wie immer nachts in seinem Rollstuhl, hat eine Jacke an, eine Mütze auf dem Kopf und mehrere Decken über den Beinen. Ich stelle ihm seine Medikamente auf den Tisch. Die nimmt er gegen später selbständig. Auf dem Tisch liegt ein Thermometer.
„Erstaunt sage ich zu ihm: Oh 25°C hier drin.“
„Das ist doch nicht viel“ Entgegnet er

Stimmt. Und dennoch fühlen sich meine Klamotten klamm an, wenn ich nach 20 sec. das Zimmer verlasse.

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Alle Jahre

Frau Scharwenzel bekommt heute Besuch vom Amtsrichter Herr Kleinfritz. Das anbringen des Bettgitters muss neu genehmigt werden. Sie ist gerade mit Frühstück fertig, als er den Speisesaal betritt.

„Guten Tag Frau Scharwenzel, mein Name ist Kleinfritz und ich komme heute um nach ihnen zu schauen.“ er nimmt neben ihr Platz. „Frau Scharwenzel, wissen sie was ein Bettgitter ist? Früher hat man auch Bettladen dazu gesagt.“
„Das habe ich noch nie gewusst“ antwortet sie zielsicher.
„Ahja. Sind sie denn schon mal hingefallen hier?“
„Ja“
„Und Frau Scharwenzel, können sie mir sagen wo sie hier sind?“
„Adam, Simon, Scharwenzel“ (Das sagt sie immer, wenn sie etwas nicht weiß, ein Füllwort benötigt oder ihr ein Wort nicht einfällt. Da der Amtsrichter sie bereits kennt, hakt er nicht weiter nach.
„Ok Frau Scharwenzel, kennen sie denn den jungen Mann da“ er deutet auf mich.
„Ja den habe ich gut gekannt“
„Wissen sie auch was der hier macht?“
„Adam, Simon Scharwenzel“ „Scharwenzel“
„Gut Frau Scharwenzel, wann haben sie Geburtstag?“
„Am 22.08“
„Und welches Jahr“
„Na in jedem Jahr“
„Ja, sicher aber in welchem sind sie geboren“
-schweigen-
„Frau Scharwenzel, in welchem Jahr sind sie geboren?“
„Ich berechne noch“
„Ahja gut, anders gefragt, wie alt sind sie denn?
Zielsicher antwortet sie „25“
„25? nicht eher 70 oder 80?
„Na dann vielleicht 35? Scharwenzel Adam Simon kommt doch“
„Okeh vielen Dank Frau Scharwenzel, den Rest bespreche ich mit dem jungen Mann. einen schönen Tag noch.“

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Aufzug

Wir sind auf dem Weg nach unten. Simone, Frau Kabauter, Frau Windschief und Frau Deuring. Als wir alle im Aufzug stehen, meinte Simone: „Jetzt ist er aber voll“
Frau Windschief:“Ja voll alter Weiber“
😁

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Eigenbrödler

Herr Umbrich ist ein Eigenbrödler. So wie man ihn aus Büchern kennt. Man kann ihm auch nix wirklich recht machen. Er hat sogar eine Nichte. Das ist bis auf seine Schwester gesehen, die keine Kraft hat sich um ihn zu kümmern, seine ganze Familie. Am liebsten mäkelt er am Essen rum. Neulich auch wieder, nicht weil es nix gab was er mochte, die Auswahl war schlicht zu groß.

Meine PDL heute bei der Übergabe.
„Uh, beim Herr Umbrich da habe ich ein ganz schlechtes Gefühl. Ich hatte mal wieder ein Gespräch mit der Nichte. Sie meinte er behaupte wir würden nix mit ihm machen. Wir sollten daher genaustens dokumentieren, was wir ihm anbieten und so und wie er reagiert. Nicht dass da was kommt.“

Gesagt, getan. Heute war herrliches Wetter, zumindest über Hintertupfing, wir haben einen wunderschön angelegten Garten, in dem kann man sogar spazieren gehen. Also bot ich ihm und auch anderen nach dem Nachmittagskaffe einen Spaziergang an. Natürlich hat er abgelehnt, er lehnt immer ab. Egal was wir anbieten.

Später im Zimmer, ich komme zum Blutzucker messen, spreche ich ihn direkt auf die Geschichte mit der Nichte an.

„Herr Umbrich, ich habe erfahren, dass sie sich beklagen, dass wir nix mit ihnen machen. Das finde ich sehr schade, weil immer wenn wir ihnen eine Aktivität anbieten, haben sie eine Ausrede warum es nicht geht, oder sie nicht können.“
„Nein, das habe ich nie zu ihr gesagt, das behauptet Die!“
„Achso? Naja, Aber sagen sie mal, was haben sie denn früher gemacht als sie noch zuhause waren?“
„Fernseh.“
„Ach?! Dann hat sich ja im Vergleich zu früher nur geändert, dass sie damals im Fernsehsessel saßen und heute im Rollstuhl.“
„Hm“
„Wenn ich es richtig verstehe, sind sie also frustriert, dass sie hier im Heim sind und auf andere angewiesen.“
„HmJa“
„Und sie beklagen sich, dass wir nix mit ihnen machen, obwohl sie heute das gleiche machen als sie noch zuhause waren. Sie wollen keine Gesellschaft, kommen maximal zu den Mahlzeiten aus dem Zimmer, ansonsten gucken sie lieber Fernseher. Mit den anderen Bewohnern wollen sie nix zu tun haben, weil sie lieber alleine sind. Habe ich das richtig zusammen gefasst?“
„Stimmt.“
„Na dann, wie gut. Also bis zum Abendessen.“

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Klobürste

Frau Klabauter darf keine Klobürste mehr haben. Das haben wir einstimmig im Team so beschlossen. Zu oft hat sie nachts das Bad damit gestrichen. Braun natürlich.
Jüngst beschwerte sie sich wieder. „Aber ich brauche doch eine Klobürste, wie soll ich denn Popo putzen?“

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Samstags-Gedanken

Es ist Samstag Mittag, freies Wochenende. Mitte Januar sind wir aus unserer ehemals Zwei-Zimmer Wohnung in eine Doppelhaushälfte umgezogen. Allem voran wegen dem Platz den wir nun haben. Um zum eigentlichen Thema zu kommen: ich überlege so eine Haussteuerungsanlage zu kaufen. Kostet Geld und man soll damit auch Geld sparen können. Sagen zumindest die, die es verkaufen. Prima ist wenn man von unterwegs schon mal die Bude aufwärmen kann.
Nun war ich dieser Tage im örtlichen Computer laden und siehe da, sie suchen für ihren Onlineshop jemanden der die Pakete verpackt. Hab mich gleich mal beworben. Mein erster Nebenjob überhaupt. Und ich bin schon 33! Ich habe nicht vor mich da zu verausgaben. Sondern das Geld was ich da nebenher verdiene in die Hausautomation zu investieren. Da dieser Winter mittlerweile rum ist. Habe ich genügend Zeit zu sparen.
Jetzt habe ich mir verschiedene Systeme angeschaut und bin verwirrter als vorher. Natürlich ist dies ein Mietshaus und ich will nix was ich fest installieren muss. Schließlich ist der nächste Umzug zwar nicht geplant, aber ausschließen will ich ihn auch nicht. Zudem gibt es genügend Systeme die über Funk/LAN/WLAN laufen.
Mal schauen. Ich werde mich mal weiter informieren und vergleichen. Aber erstmal fahren wir ein paar Bekannte besuchen.

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Auf Nummer Sicher gehen

Frau Walzig, hat Besuch. Den hat sie nicht oft, aber heute schon. Eine alte Freundin besucht sie. Sie verbringen den ganzen Nachmittag im Speisesaal und quatschen über alte Zeiten. Eine halbe Stunde vor dem Abendessen verabschiedet sich der Besuch. Frau Walzig geht hinterher. Sie ist als weglaufgefährdet bekannt. Ich schlürfe genüsslich meinen Kaffee. Regina die gerade das Abendessen vorbereitet, reagiert promt:
Regina: „Frau Walzig! Wo gehen sie denn hin?“
Ich: „Sie wird ihren Besuch zum Ausgang begleiten und außerdem ist sie nicht mehr so schnell, dass ich sie nicht einholen könnte.“
Regina: „Ja aber“
Besucherin: „Frau Walzig weiß eben was sich gehört, das hat sie früher schon immer gemacht.“
Ich: „Würde ich auch machen, man muss ja schließlich sicher gehen, dass der Besuch auch weg ist.“

Natürlich kam Frau Walzig wieder. Sie hat schon länger nicht mehr die Einrichtung ohne Begleitung verlassen. Sie ist auch nicht mehr so gut zu Fuß. Und wenn sie das Bedürfnis hat in ihr Haus zu gehen, dann hat sie ein paar Bekannte die wir anrufen können und sie gerne begleiten.

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Alte Frau

Frau Widrig, geht morgen auf den Geburtstag ihres Neffen. Die ganze Verwandtschaft wird anwesend sein. Die ganze Verwandtschaft? Nein. Die Tochter Annegret nicht. Sie hat keine Lust.
Das ist aber nicht das Problem.
Frau Widrig hat seit drei Wochen Durchfall. Der Arzt hat nachdem er zuerst Hylak Tropfen verordnete nun Perenterol forte zweimal täglich aufgeschrieben. Er vermutet, dass es eine Resorption Störung ist. Das heißt der Dickdarm nimmt das Wasser aus dem Stuhl nicht auf und er kommt quasi flüssig raus. Aber auch das ist nicht ihr Problem, da der durchfallartige Stuhl nur morgens da ist und die Feier ist am Abend.

Wir unterhalten uns am Nachmittag über den morgigen Tag.

„Andreas? Aber die Binden können wir doch morgen weglassen?
„Weil?“
„Na wegen meinen Schuhen.“
„Verstehe ich nicht. Was haben die Kompressionsbinden mit den Schuhen zu tun?“
„Na ich möchte doch meine schicken Schuhe anziehen.“
„Wir können ja mal schauen ob sie dennoch passen.“

So probieren wir Paar für Paar durch, natürlich passt kein Schuh.

„Tjoa da müssen sie eben die schicken schwarzen Verbandschuhe anziehen.“
„Ja aber ich würde schon gerne meine schicken Lackschuhe anziehen, dann lassen wir einfach die Binden weg.“
„Ich bin mir sicher dass wir das nicht machen. Die Gefahr einer Thrombose ist da zu hoch. Und außerdem, sind sie eine alte Frau, da hat jeder Verständnis, wenn sie bequeme Schuhe anziehen.“
„Ja, und wer schaut einem schon auf die Schuhe“
„So-is!“

Auch wenn es etwas wüst klang, ist es meine Meinung.

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Der Herr

Ich bin bei Frau Hauptmann, sie hat Pflegestufe 3, man muss sie frisch machen und lagern. Sie schaut mir dabei ins Gesicht. „Ach da ist ja der Herr… da ist ja der Herr… der Herr…“
„Ja? Welcher denn?“
„Der Herr…“ sie lächelt „Der wunderschöne Herr“

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