Kein Tag wie der Andere

Der Noro ist los, ein heimtückischer kleiner Mistkerl, der sich durch die vielen Einrichtungen treibt und an ahnungslose Türen klopft. So auch bei uns. Einer ließ ihn herein, nun haben wir ihn. Um weiteren Infektionen vorzubeugen kümmert sich einer allein um die betroffenen Bewohner. So war ich heute dran. Eine halbe Stunde vor Dienstbeginn dann die Krankmeldung einer Pflegekraft. Natürlich kein anderer zu erreichen. Freundlich wie der Nachtwächter war, bot er sich an zu bleiben und ein paar Bewohner zu versorgen. Die Hausleitung die ich auch gleich informiert hatte, kam kurze Zeit später auch vorbei und half in der Pflege mit.

Der Vormittag dümpelte so dahin, ich als Infektionspfleger durch die Stockwerke mit meinem Wagen beladen mit dem Mittagessen sprintend. Nachdem ich alle verteilt hatte machte ich mich mit geschlossenen Eimern drauf um das Geschirr wieder einzusammeln. So langsam kam ich dem Ende meiner Kräfte nahe. Als ich das letzte Zimmer erreichte so kurz vor 13:00 Uhr fragte ich die hier wohnende Dame Frau R. ob sie noch etwas benötige, ich hatte noch Tee auf dem Wagen. Sie verneinte alles. Weil ich ja wusste dass da immer noch was kommt, fragte ich erneut.

”Nein ich habe alles was ich brauche”
”Ok dann noch einen schönen Tag, bis morgen”
Kaum war ich 15 Meter vom Zimmer entfernt, klingelte es in meiner Tasche. Das Telefon herausziehend blicke ich auf das Display. In Gedanken formuliere ich Hassbeschwörungen. Im Zimmer wieder angekommen, frage ich was sie denn möchte, “Nichts bestimmtes” war die Antwort.
Ich fühlte mich genötigt ihr die momentane Situation zu erklären:
”Wissense, ich sag ihnen mal was, kurz vor knapp hat sich eine Mitarbeiterin krank gemeldet, natürlich haben wir keinen Ersatz mehr bekommen. So renne ich hier und versorge alle Bewohner die im Zimmer bleiben müssen, ich habe bis jetzt noch keine Pause gemacht, meine Beine tun mir weh, ich habe noch nichts gegessen und getrunken…”
”Na, dann wissense ja was Arbeit ist!”
”Danke fürs Gespräch…” sage ich etwas lauter als es meine Art ist und verlasse das Zimmer, in Gedanken spüre ich ihren Hals zwischen meinen Fingern.

Natürlich war das das Topthema bei der Übergabe, mit lauten Gelächter belohnt…

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