Anleitung um fristlos gekündigt zu werden (Teil 5)

Mein Handy klingelt, auf dem Display erkenne ich das Konterfei meiner Hausleitung, die diese Woche nicht da ist „Du der Lorentz hat mich angerufen, weißt du was der will?“
„Was er will weiß ich nicht, aber er hat heute Morgen sich gemeldet und nachdem er mir unzureichend versucht hat zu erklären warum er fehlt, habe ich ihm gesagt, dass wir ihm fristlos kündigen.“
„Ja, weil ich bin nämlich nicht hin, saß grad im Unterricht und jetzt habe ich Pause. Wahrscheinlich denkt er, er kann mich noch umstimmen, aber da hat er sich geschnitten.“
„So denke ich auch, ich habe ihn auf ein Uhr bestellt.“
„Na, da bin ich ja mal gespannt ob er kommt.“
„Ich auch, ich halte dich auf dem Laufenden.“
„Alles klar, bis dann.“

Die Kirchturmglocken vom Hintertupfinger Kirchturm läuten 13 Uhr. Noch klopft niemand an meine Bürotür. Ich behalte den Zeiger im Auge, er berührt, die erste, die zweite, die dritte, die vierte Minute. Da! Das Telefon klingelt. Am anderen Ende die vertraute ältere weibliche Stimme.
„Hallo, hier ist Frau Hauswiese, ich bin die Mutter von Lorentz.“
„Guten Tag“
„Sagen sie mal, habe ich das richtig verstanden, dass sie ihn fristlos kündigen wollen?“
„Selbstverständlich, haben sie das richtig verstanden.“
„Aber, ich habe nach dem Schreiben vom Freitag gedacht, dass er noch eine Chance bekommt.“
„Frau Hauswiese, ja sicher, aber er konnte mir doch nicht erklären, warum er seit Mittwoch unentschuldigt fehlt und nachdem er letztes Jahr bereits 2 Abmahnungen wegen ähnlicher Situationen erhalten hat, ist jetzt das Maß voll.“
Wir legen auf, 2 Minuten später klingelt das Telefon erneut, schon wieder die Mutter.
„Hallo, ich bin es wieder, der Lorentz möchte heute nicht kommen um seine Kündigung abzuholen, er will erst noch mal mit der Hausleitung darüber sprechen.“
„Hören sie mal, da gibt es nichts mehr zu besprechen, die Kündigung ist doch kein kurzfristiger Einfall, sondern bereits mit dem Geschäftsführer und der Hausleitung abgesprochen. Wir haben das zusammen beschlossen, für den Fall, dass er wieder eine zwielichtige Erklärung vorbringt.“
„Also gut, ich schicke ihn vorbei.“

Mütter sind ja wirklich was schreckliches, denke ich so bei mir, während ich auf ihn warte. Ich frage mich, was das eigentlich für ein Bübchen ist, dass er mit etwas mehr als 20 Jahren seine Mutter vorschickt.

Als ich denke, dass bereits genügend Zeit verstrichen ist, rufe ich ihn auf seinem Handy an. Hier bekomme ich die knappe Antwort, dass er unterwegs sei. Weitere 5 Minuten später, kommt er. Der Moment der Gegenüberstellung ist gekommen. Showdown. Die Waffen sind geladen, ich erhebe mich von meinem Stuhl und bewege mich auf ihn zu, in der Hand halte ich 2 Exemplare der Kündigung. Er hält in der seinen, einen Schlüsselbund, ein Namensschild und ein Fläschchen mit Händedesinfektionsmittel. Eine Kitteltaschenflasche!
„Willst du dich setzen?“ frage ich ihn. „Ich erkläre dir gerne, warum wir uns so entschieden haben“
„Nein, ich bin nur gekommen um den Schrieb abzuholen, ich will nicht mehr reden“ lautet die Antwort.“
„Ist in Ordnung, steht ohnehin alles da drin, Ich bekomme dann noch hier eine Unterschrift, dass du sie erhalten hast.“
„Und was ist wenn ich sie nicht unterschreibe?“
„Das macht nichts, dann schreibe ich hin, dass du sie erhalten hast.“
„Dann möchte ich es nicht unterschreiben.“
„Kein Problem.“
Wortlos nimmt er das Papier entgegen und verlässt ohne ein weiteres Wort das Büro. Die Tür vom Treppenhaus schließt sich und eine Sekunde später öffnet sie sich wieder. Eine Mitarbeiterin streckt den Kopf rein und fragt: „Was war denn das eben?“
„Das, war sein letzter Tag bei uns.“
„Na das wurde aber auch Zeit.“

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Teil 3

Teil 4

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3 Antworten zu Anleitung um fristlos gekündigt zu werden (Teil 5)

  1. Petra schreibt:

    Schade, dass er nicht mal versucht hat, noch was zu retten. Wenn es ihm so egal ist, glaubt man das mit „Ich will das fertig machen“ auch nicht wirklich. Da kann man echt nur hoffen, dass er daraus lernt, dass sein Verhalten auch Konsequenzen hat.

    • Der Pfleger schreibt:

      Was mich ärgerte und letztendlich meine Entscheidung maßgeblich geformt hat, wir haben oft mit ihm geredet, er bekam etliche Chancen, wurde letztes Jahr 2 mal abgemahnt, wegen genau dem. Aber ich hoffe, er reisst sich jetzt zusammen. Aber wichtig war mir auch, dass meine anderen Mitarbeiter sehen dass dieses Verhalten Konsequenzen nach sich zieht.

  2. Pingback: Anleitung um fristlos gekündigt zu werden (Teil 6) | DerPfleger's Blog

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