Gekommen um zu gehen

Im Augenwinkel beobachte wie sich Melanie dem Eingang nähert. In der Hand hält sie ein Din-A4 Blatt. Ich ahne nichts Gutes. Gestern erst haben wir telefoniert. Da hat sie sich weiter krank gemeldet. Wir sind verabredet zum Gespräch. Natürlich kann ich mir denken was kommt.

„Hallo Melanie, nimm doch Platz“
„Danke. Hier.“ Sie reicht mir das Din-A4 Blatt darauf steht im Betreff: Kündigung meines Arbeitsverhältnisses…
„Hmm… das dachte ich mir. Wie kommts“
Sie weint. Unter Tränen sagt sie. „Es geht nicht, es ist alles zuviel, keine Zeit, zu wenig, ich kann net mehr.“ Sie sammelt sich wieder und fängt erneut an Weisst du es geht nicht mehr wir sind ständig unterbesetzt, kaum Zeit für die Bewohner.“
„Ok, ich verstehe dich, dass es dich frustriert, aber meinst du mit diesem Schritt änderst du was an der Situation. Das ist zwar egoistisch aber auch irgendwie nachvollziehbar.“
„Ich bin bis zum letzten Tag krank geschrieben“
„Das denke ich mir.“
„Soll ich meinen Spind schon mal leer machen“
„Das kannst du gerne tun. Ja, Melanie, es tut mir wirklich leid, dass du gehst, weil ich finde du bist eine gute Fachkraft. Was wirst du jetzt tun?“
„Ich werde in eine Tagespflege gehen, da hat es mir von meinen Ausseneinsätzen am besten gefallen.“
„Hast du schon was?“
„Nein“
„Naja, in der heutigen Zeit als Fachkraft sollte es nicht so lange dauern eine Stelle zu bekommen.“
„Hm“

Und es ist tatsächlich so, theoretisch kann man heute kündigen und morgen in einer anderen Einrichtung sofort loslegen. Was gefühlt, stark boomt, das sind Pflegefachkräfte die sich selbständig machen und so die Heime der Republik bereisen um ein Haufen Geld zu verdienen. Das wahnwitzige ist, dass Einrichtungen die Preise zahlen anstatt in die bestehenden Mitarbeiter zu investieren.

Traurige neue Zeit!

Ich denke als Einrichtung muss man um Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen folgende Punkte anbieten:

  • Unbefristete Verträge
  • Gehälter erhöhen
  • Arbeitszeiten optimimieren
  • Ausreichend Mitarbeiter im Dienst

habe ich noch was vergessen? Rein damit in die Kommentare. Dieser Tage steht ein Gespräch mit dem GF an. Der kann sich was anhören…

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3 Antworten zu Gekommen um zu gehen

  1. David schreibt:

    Die vier von dir angeführten Punkte fassen es gut zusammen. Es ist einfach eine Frechheit wie man euch Pflegekräfte behandelt 😦

  2. auchnochda schreibt:

    Bin jetzt seit ein paar Monaten raus aus der Pflege. Bin zurück in meinen vorher gelernten Beruf. Ohne jahrelange Berufserfahrung, die ich in der Pflege habe, habe ich mit einem Schlag das doppelte Gehalt. Und das erste was ich von meinem neuen Chef hörte, war eine Riesenermutigung für meine Arbeit.
    Ich habe es geliebt in der Pflege zu arbeiten. Aber jetzt geht es mir viel besser.

  3. Der Pfleger schreibt:

    In der Pflege zu arbeiten ist nicht immer leicht. Davon kann ich ein Lied trällern

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