Kurz mal Medikamente richten

Es ist kurz vor neun Uhr mitteldeutscher Zeit. Ein mittelalter junger Mann geht mit einem weissen Tablett durch einen Speisesaal in einem durchschnittsdeutschen Pflegeheim. Plötzlich scheint es als wenn die Zeit stehen bleibt…

Gut gelaunt, weil ich die erste Fuhre Medikamente den älteren Damen und Herren näher gebracht habe, begebe ich mich wieder zum Tablettaufbewahrungsplatz um anschließend noch Frau Gruber aus dem Bett zu holen. Der Tag bisher ist soweit ganz nett, bis auch ein paar Kleinigkeiten, die aber weiter kaum stören. Als ich so gehe spüre ich wie mein rechtes Bein über den Boden gleitet und an Geschwindigkeit zunimmt und ungefähr auf Hüfthöhe aubruppt stoppt. In diesem Moment habe ich mein Gleichgewicht verloren und versuche es auf dem Boden wieder zu finden. In der rechten Hand befindet sich immer noch das weisse Tablett, allerdings sind fein säuberlich getürmten Becher jetzt nicht mehr fein säuberlich getürmt sondern in einem undefinierbaren Haufen. Lakutolose geht eine homogene Verbindung mit Novalgin und Tavor und Melperon ein. Die Metformin von Frau Huber gesellt sich zur Targin von Frau Keller.

Bestürzt blicke ich auf dem Boden sitzend auf das Tablett. Mehrere Köpfe sind in meine Richtung gedreht. Ich verspüre einen Dang das gesamte Tablett durch den Raum zu pfeffern, kann ich gerade noch so unter drücken. Langsam stehe ich auf, wanke zum nächsten Mülleimer und kippe alles rein um anschließend auf dem Weg zum Dienstzimmer einem ahnungslosen Stuhl einen Tritt zu geben, der sich daraufhin um einen ganzen halben Meter nach rechts bewegt. „Sabine, ich bin eben für ne Weile im Dienstzimmer muss für 12 Menschen neue Frühstückstabletten richten.“ Und ja man kann ein Grinsen auch durch ein Telefon sehen und spüren liebe Sabine

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2 Antworten zu Kurz mal Medikamente richten

  1. zackenbarsch11 schreibt:

    Demenz hin oder her, unsere Patienten schmeißen sich jedesmal weg, wenn uns Ähnliches passiert. Letztens fluchte ich: „… so eine verdammte Scheiße!“ , wollte mich reflexartig entschuldigen für die Wortwahl, aber sie winkten ab: “ Wieso, Sie haben doch recht!“

  2. Pingback: Mein Jahr 2011 | DerPfleger's Blog

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