Sechs Monate alte Post

„Guten Tag Herr Schalmei, das ist aber gut dass ich sie sehe, in dem Postfach liegt Post, ich hole sie eben.“ sage ich zu dem Sohn von Frau Schalmei, gehe ins Dienstzimmer und hole eine Handvoll Briefe und übergebe sie ihm.
„Oh das ist aber eine Menge.“ bemerkt er.

Eine halbe Stunde später kommt er wieder angefahren, ziemlich wütend betritt er die Einrichtung. „Sagen sie mal, da sind ja Rechnungen dabei die sind ja teilweise älter als sechs Monate.“
„Ja, das kann durchaus sein.“
„Können sie die nicht mir zusenden, da sind ja jetzt auch dementsprechend Mahnungen dabei, teilweise wird mir da mit gerichtlichem Mahnverfahren gedroht.“
„Das mag ja sein, aber wir bewahren für jeden Bewohner, der seine Post nicht mehr selbständig weitergeben kann im Dienstzimmer auf. Da hat jeder Bewohner ein Postfach. Und schon vor einem Jahr haben wir die Angehörigen beim Angehörigenabend gebeten, wenn sie kommen, zu fragen ob Post da ist.“
„Also hören sie mal, ich bin jetzt auf direktem Weg zum Flughafen, weil ich nach Tunasien fliegen muss. Und ausserdem weiss ich von dieser Regelung nichts, weil ich nicht beim Angehörigenabend war.“
„Dennoch, müssen sie sich doch gewundert haben, dass sie keine Rechnungen vom Friseur und der Apotheke bekommen. Und in einem halben Jahr kommt schon die eine oder andere.“
Ich möchte dass sie bei den Firmen anrufen und dass mit den Mahnungen erklären, weil ich sehe es nicht ein die zu bezahlen.“ knallt mir die Briefe auf den Tisch und geht.

Prima denke ich mir, das ist ja echt super. Morgen habe ich frei.Also schreibe ich meiner Chefin einen Zettel mit den Forderungen des Sohnes, wickele die Briefe darin ein, denn schließlich habe ich ja morgen frei.

Wiederum eine halbe Stunde später, ich möchte endlich Tropfen richten, das es langsam sich dem Abendessen neigt, kommt die Tochter von Frau Schalmei.
„Ich bin gekommen um die Briefe abzuholen, mein Bruder hat mich angerufen.“
„Ja wie jetzt doch?!“
„Ja, die müssen ja schließlich bezahlt werden.“
„Ja, jetzt habe ich schon meiner Chefin einen Zettel geschrieben, dass sie da anruft, wegen den Mahngebühren.“
„Neh ich nehme die jetzt mit, zahle die Mahngebühren und dann müssen wir eben sehen wie wir das machen, dann müsst ihr die dann eben übernehmen.“
„Hm, also wegen mir, aber ich möchte nochmal sagen, dass es auch euer Job ist wenn ihr zu Besuch kommt nach Post zu fragen, natürlich sind auch meine Mitarbeiter in der Verantwortung zu schauen ob Post da ist wenn jemand kommt. Und wenn jeder ein bisschen daran denkt, dann wird es wohl kaum vorkommen, dass sich Post von über sechs Monaten ansammelt.“
„Ich möchte mich aber auch noch wegen meinem Bruder entschuldigen, ich weiss ja wie er ist wenn er stinkig ist.“
„Hm, ich nehme das eh nicht persönlich und ausserdem kann ich ihn auch ein stückweit verstehen, mich würde das auch ankotzen, wenn ich auf einmal Post von über einem halben Jahr in die Hand gedrückt bekomme. Aber was ich auch noch sagen will, viele der Angehörigen lassen sich die Post von den Firmen direkt nach Hause schicken, dann gibt es überhaut keine Probleme.“
„Ja und das geht?“
„Ja sicher, es gibt hier machen Bewohner, da sehe ich monatelang keine Rechnungen und ich weiss, dass die Angehörigen das so mit den Firmen vereinbart haben.“
„Ja gut, dann werde ich ihm das sagen.“

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4 Antworten zu Sechs Monate alte Post

  1. Margit schreibt:

    Hallo Pfleger,

    zum Verhalten des Sohnes mal gar nichts – das spottet jedes Kommentars.

    Aber zum Umgang mit der Post ein kleiner Einblick: im Pflegeheim, in dem mein Vater lebt, vereinbart man entweder, dass die Post von dort – per Post – an die Angehörigen weitergeleitet wird oder dass sie in ein dort angelegtes Postfach kommt. Funktioniert prima.

    Und ich konnte zwar mit Apotheken, Sanitätshäusern etc. vereinbaren, dass sie alle Schreiben direkt an mich schicken, aber die Krankenkasse meines Vaters weigert sich, bestimmte Post direkt an mich zu richten. Obwohl ihr eine „Vollmacht für Krankenkassenangelegenheiten“ vorliegt und ich außerdem eine Generalvollmacht habe. Aber für bestimmte Angelegenheiten müsste ich eben eingesetzte Betreuerin meines Vater sein.

    Nun denn. Müssen sie eben manchmal ein paar Tage warten, bis die Sachen erledigt werden.

    Ich wünsche Dir gute Nerven für Situationen, wie Du sie oben beschrieben hast…!

    • Der Pfleger schreibt:

      Wir haben auch für jeden Bewohner im Dienstzimmer ein Fach, in das alle Post (zumindest die, die sich nicht mehr kümmern können), dann funktioniert es in der Regel so, wenn die Angehörigen zu Besuch kommen, melden sie sich beim Pflegepersonal und ein Mitarbeiter holt die Post. Das haben wir vor über einem Jahr so eingerichtet und beim Angehörigenabend entsprechend so kommuniziert. Dieser Angehörige war natürlich nicht da. Aber naja, es gibt immer Angehörige die etwas schwieriger sind.

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