Hausbesuch #2

Nachdem das Klingeln also keinen Erfolg verzeichnete klopfte ich um so energischer an die Haustüre.
–Nichts–
Also weiter klingeln und klopfen Fenster und Vorhänge beobachten. Ein Geräusch, es kommt aus dem Haus:
„Jaaa? Wer issen da?“ dröhnt es durch die geschlossene Türe „Was machen sie denn hier für einen Lärm?“
„Ähm hallo, mein Name ist Andreas Pfleger, ich komme aus dem Sonnenscheinheim in Hintertupfing“
„Was, wer sind sie“ ertönt es nun von etwas weiters weg.
„Hallo“
„Was hallo?“

Die Türe öffnet sich einen Spalt

„Was wollen sie?“ kräht mir der Mann entgegen
„Ähm darf ich erstmal fragen wer sie sind, sind sie der Schwiegersohn von Frau Hartmann?“
„Ja, was wollen sie“
„Ja, ähm, Frau Hartmann ist heute mittag verstorben.“
„Wie? im Heim?“
„Ja, wir haben seit heute morgen versucht sie zu erreichen, jedoch erfolglos“
„Kommen sie erstmal rein“

Ich betrete das Haus vor mir steht ein ältere Mann mit Morgenmantel an und ja barfuß, als ich die Treppe hochgehe wie mir gedeutet erblicke ich durch den Spalt der angelehnten Türe die unbekleideten Beine von Frau Frühling, zumindest hielt ich sie für die ihren. Ich werde durch das Wohnzimmer ins Esszimmer gelotst.

„Nehmen sie doch bitte Platz,“ sagt er zu mir „meine Frau kommt gleich. Ich muss mich im übrigen noch entschuldigen, weil ich sie so angepflaumt habe.“
„Ach nicht so wild, ich kanns ja verstehen wenn man geweckt wird und ausserdem bin ich verheiratet.“

Indessen betritt Frau Frühling den Raum.

„Hallo Herr Pfleger, meine Mutter ist gestorben?! Ja ich freue mich ehrlich darüber, sie war ja jetzt schon sehr lange pflegebedürftig. Mehr als 10 Jahre“

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3 Antworten zu Hausbesuch #2

  1. medizynicus schreibt:

    Hat sie wirklich gesagt „ich freue mich darüber, dass ich jetzt keine weiteren Kosten für die Heimunterbringung mehr zu bezahlen brauche?“
    Anderererseits… wenn der Tod voraussehbar und im Grunde erwartet war, dann ist es für die Angehörigen eine Erleichterung, und das darf man denen auch nicht übelnehmen.
    Finde ich übrigens interessant, dass Ihr in solchen Situationen auch Hausbesuche macht!

    • Der Pfleger schreibt:

      So ganz vorhersehbar war der Tod nicht, aber die Dame war schon schwer dement und hatte noch andere Erkrankungen. Eine Einweisung ins Krankenhaus wurde bereits vor mehreren Monaten nicht mehr in als sinnvoll erachtet, egal was sei.
      Der Hausbesuch war jetzt eher eine Notsituation, da die Dame in einem Doppelzimmer wohnte und wir keinen Kühlraum haben. Schließlich muss sie ja abgeholt werden.
      Andererseits war es mir ja doch wichtig, dass die Tochter schnellstmöglich Bescheid bekommt.

  2. Pingback: Top Posts (die vergangene Woche) (01) | DerPfleger's Blog

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