Watte in den Ohren und Milchglas vor den Augen

Am Freitag dann befand ich mich auf der Privatstation. In einem Rundgang zeigte mir Schwester Antje die Station. Die Zimmer glichen teilweise Hotelzimmern. Der Boden in den Zimmern aus Parkett, Holzvertäfelungen an den Wänden. Kurzum ein Greul für jeden Hygieniker. Heute durfte ich zuerst eine Bronchoskopie mit dem ewig nörgelnden Professor Werner begleiten.

Gegen später sagte mir Schwester Anja, „du der Herr Zartmann soll eine neue Drainage bekommen, da kannst du auch mit“ und fügt flüsternd und grinsend hinzu „Er wird schreien, er ist ziemlich empfindlich.“

So begleite ich ihn mit dem Hauspfleger nach unten. Wer sich Igor vorstellt den Buckel und den schlurfenden Gang subtrahiert, der erhält Wazlav den Hauspfleger vom Hyänengraben.

Im Behandlungsraum wird Herr Zartmann der Eingriff erklärt.
„Sie bekommen jetzt eine Drainage, damit sich die Lunge weiter ausdehnen kann. Die müssen wir an der rechten Schulter anbringen. Dabei müssen sie aber sitzen“

So setzt sich Herr Zartmann auf die Liege und sucht etwas zum festhalten. Ich biete mich an, stelle mich vor ihn und stütze ihn. Da der Doctor der den Eingriff vornimmt ein wenig kleiner geraten ist benötig er eine Leiter. Das Lokalanästetikum hat er bereits aufgezogen tastet sich an die geeignete Stelle heran. Ein Piks, die Nadel ist drin. Den Vorgang erklärend sticht er tiefer und spritzt das Lokalanästetikum ins Gewebe, geht dabei immer tiefer, bis Bläschen in der Spritze hochsteigen. Den Blick auf mich gerichtet, sagt er:

„Sehense jetzet simmer im Hohlraum angelangt, ich ziehe jetzt langsam hoch und ziehe auch am Kolben bis keine Luft mehr kommt. Aber hier simmer richtig.“

Nachdem das gesamte Mittel verteilt wurde, zieht er die Spritze ab, die Kanüle lässt er zu Markierungszwecken drin. Mit dem Skalpell ein Schnitt erzeugt und eine neue dickere Nadel wird  hineingetrieben. Mit Knacken und Reißen weiter rein. Eine Fallnadel so erklärt er sei das. Denn als er im Hohlraum ankam fällt die Nadel runter. Beherzt wird ein größerer Schnitt gesetzt. Jetzt holt er das Monster raus, eine Fallnadel die die Dicke meines kleinen Fingers hat und somit doppelt so dick ist wie die vorhergehende. Beim hineintreiben füllen sich meine Ohren mit Watte Mein Blick verklärt sich als wenn mir eine Brille aus Milchglas vor die Auge gelegt wird. Dumpf nehme ich wahr, wie die anwesende Schwester mit mir spricht, „Geht es ihnen gut, wollen sie sich vielleicht hinlegen?“ Taumelnd und an mehrere Tische stoßend schaffe ich es zu nächsten Liege. Grinsend liege ich da und versuche wieder zu mir zu kommen. Als ich mich wieder aufsetze, schneidet er den Faden der Naht durch und verbindet es.

„Na, alles klar?“
„Jop“

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5 Antworten zu Watte in den Ohren und Milchglas vor den Augen

  1. Andrea schreibt:

    Bin so frei hier mitzulesen. – Bist du derjenige, der die Spritze bekommen hat ? *ratlos dreinschau*

    Bin über den Blog von Medizynicus auf diesen Blog hier gekommen.

    Viele herzliche Grüße

    Andrea

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