Wer wagt gewinnt!

Ich habe noch ein Versprechen zu erfüllen. So begebe ich mich mit Margarethe zu Herr Hornung.
„Hallo Herr Hornung, wir haben heute etwas vor mit ihnen.“ und winke mit den Schuhen. „So Bettgitter runter Schuhe an. Jetzt erstmal an den Bettrand hinsetzen.“
Als er sitzt frage ich ich Margarethe „Und was fällt dir auf?“
„Weiß net, was meinst du?“
„Er kann seinen Oberkörper alleine aufrecht halten“
Fünf Minuten später sitzt er immer noch fast kerzengerade da.
„Ich habe da eine Idee, warte kurz bei ihm, ich komme gleich wieder.“

Als ich wieder zurück bin, sage ich freudestrahlend: „Schau mal was ich da habe!“
„Willst du ihn in den Rollstuhl setzen?“
„Aber sicher! So Noch eine Hose an und ein vernünftiges Oberteil…. So Herr Hornung jetzt stehen wir zusammen auf und die Margarethe zieht die Hose hoch und dann setzen sie sich in den Rollstuhl.“ Ich deute auf den Rollstuhl der unmittelbar neben dem Bett steht. „So wunderbar. Dann wollen wir ihnen mal zeigen wo sie hier sind.“
„Immer noch gut? Nicht schwindelig oder schwummrig vor den Augen?“
„Nein“ er schüttelt mit dem Kopf und grinst dabei.
„Haben sie schon gesehen, dass sie auch einen Balkon haben? Da sehen sie sogar den Kirchturm von Hintetupfing. „So genug gesehen hier oben, wir gehen jetzt nach unten, dann sehen sie auch mal unseren Wintergarten.“

Der Bursche macht sich ganz gut im Rollstuhl. Gegen später fängt er heftig das schwitzen an. Das Ausziehen der Jacke schafft aber Abhilfe. So verbringt er zwei Stunden draußen, bis er sich meldet „Ich möchte jetzt doch hoch.“

Später sage ich zu Margarethe: „Weiß du, genau das sind solche Momente in denen ich genau weiß warum ich diesen Beruf mache. Und wenn wir es nicht ausprobiert hätten, dann würde der Kerl immer noch im Bett liegen und irgendwann versauern. Man muss einfach mal was wagen. Und wenn jemand kommt und es heißt der ist bettlägerig, dann glaube ich das schon lange nicht. Nicht umsonst lautet meine Devise, >Alles raus was raus kann<“
„Ja aber ich denke, dass manche sich sowas nicht trauen würden aus Angst dass derjenige umkippt.“
„Mag schon sein, aber erstens sowas macht man eh erstmal nur zu zweit und wenn einer umkippt und noch am Bettrand sitzt, dann ist der Weg ins Bett nicht weit. Und ist diese erste Hürde geschafft, dann kann im Rollstuhl nicht mehr viel passieren. Aber selbst da, kann man den Bewohner dann zu zweit wieder reinlegen. Man muss es einfach nur wagen.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wer wagt gewinnt!

  1. Pingback: Top Posts (die vergangene Woche) (13-2012) | DerPfleger's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s