Keine Eile mehr

Herr Janker, ist knapp 65 Jahre alt, hatte mittlerweile 2 Schlaganfälle und ist rechtsseitig gelähmt. Er wirkt stetig mürrisch und ist genau der Bewohner den Besucher und andere als ersten und letzten zu sehen bekommen, weil er scheinbar ständig vor dem Haupteingang sitzt und raucht. Das schon morgens um sechs wenn ich zum Dienst gehe.

Es ist neun Uhr, es klingelt. Es ist Herr Janker. Ich gehe zu ihm und frage was los sei.
„Ich habe da so ein Taubheitsgefühl im Arm“ und fuchtelt mit der linken Hand herum.“
„Ähm ok.“

Blutdruck und Puls geben keinen Grund zur Sorge. Ich bespreche mich mit den Kollegen, da ich ihn noch nicht so gut kenne. „Erst mal abwarten“ lautet die Devise.

Ich frage ihn dennoch ob ich einen Arzt für ihn rufen soll.
„Nein jetzt noch nicht.“
„OK meldst dich halt wenn was sein sollte.“

Wenige Minuten später ist er wieder unterwegs zu seinem Stammplatz am großen Aschenbecher. Das war gestern.

Wie gewohnt komme ich immer ein wenig früher, damit ich nach dem Umziehen auf der Terrasse meinen Kaffee und eine Zigarette konsumieren kann.

„Guten Morgen Herr Janker“ begrüße ich ihn „wie gehts dir?“
„Och“
„Heute mach dein Arzt Visite, ich schreib dich drauf, dann soll er sch dich mal anschauen.“
„Hm“
„Ich werte das mal als Zustimmung.“

Zuverlässig wie immer, kommt der Hausarzt genau in dem Moment, in dem ich ihn nicht gebrauchen kann. Also unterbreche ich meine Pause und mach mit ihm Visite.

„Ich würde sagen wir gehen zuerst zu Herr Janker“ sage ich im Gehen beladenmit mindestens zehn Doku Akten einem Stethoskop und Blutdruckmanschette, diversen Zetteln usw. „Er klagte gestern über ein Taubheitsgefühl im linken Arm. Ich fragte ihn ob er einen Arzt möchte, er vereinte. Blutdruck und Puls gaben keinen Anlass zur Sorge.“

Der Arzt untersucht den Kerl, der ausnahmsweise mal nicht draussen sitzt, sondern sich auf dem Bett ein wenig ausruht.
„Hm messen sie dochmal den Blutdruck“
Gesagt getan „hundertfuffzichzuachzich“
„Hm, ich denke wir schicken ihn mal ins Krankenhaus, einfach mal zur Abklärung. Gell Herr Janker“ sagt er zu ihm zugewandt „wir schicken sie ins Krankenhaus, dass die vielleicht ein CeeeTeee machen.“

Im Dienstzimmer angekommen wähle ich die Nummer vom Krankenhaus in Tupfing und reiche das Telefon dem Arzt weiter. Er meldet ihn in der Neurologie an, während er die Papier schreibt. Anschießend rufe ich in der Rettungsleitstelle an und bestelle einen Transport. Nach dem ich ihm die Geschichte erzählt habe

„RTW oder KTW?“
„Der Arzt meint KTW reicht“
„Wann soll er denn dort sein?“
„Jetzt demnächst“
„Ok der nächste ist in circa dreißig Minuten bei ihnen, hat ja keine Eile mehr.

Ich tuhe mich etwas schwer die nötigen Unterlagen zusammenzusuchen, da in meiner Einarbeitung das nicht Thema war. Zufällig haben auch noch meine WBL und stv WBL heute frei. Es sei ihnen gegönnt. Nun stehe ich jedenfalls da. Die anderen Helfer auf meiner Station haben auch keine Ahnung. Ich rufe auf der anderen Station an. Hier wurde mir geholfen. Rechtzeitig zum Eintreffen des KTW ist alles bereit. Herr Janker verabschiedet und verladen.

Puh! jetzt kann ich meine Pause endlich nachholen.

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